Spirulina – Die Kraft einer Alge
Die Spirulina ist eine Bakterie, die zu dem Stamm und somit auch zu der Klasse der Cyanobacteria gehört. Sie zählt zu der biologischen Ordnung der Oscillatoriales. Das sind im Salzwasser vorkommende Bakterien. Ihr Untergeordnet ist die Gattung der Spirulina, welche früher auch als „Blaualge“ bezeichnet wurde. Es werden bis zu 35 Arten bei der Spirulina unterschieden, jedoch ist man sich in der Wissenschaft nicht sicher, ob nicht alle diese Arten zu einer Art gehören und nur unterschiedlichen Ausprägungen in Abhängigkeit von dem Nährstoffgehalt und dem ph-Wert des Wassers, in dem sie vorkommen, sind.
Eigenschaften der Alge
Die Bakterie Spirulina bildet eine mehrzellige Struktur, die sich aus zylindrischen Zellen mit einem Durchmesser von etwa 1 bis 5 μm in langen, rechts- oder linkshändig wendelförmigen Filamenten angeordnet. Der Durchmesser einer Wendel beträgt 5 bis 12 μm, ihre Länge 0,5 Millimeter oder mehr. Das Längenwachstum der Filamente erfolgt durch Zellteilung, die Vermehrung der Spirulina durch Zerfall der Filamente.
Die Spirulina ist oxygen photosynthetisch und enthält auch Chlorophyll a, das vorwiegend bei Pflanzen vorkommt. Somit gehört sie zu den Prokaryoten. Weiterhin ist das Chlorophyll nicht wie bei den eukaryoten Pflanzen in organisierten Zellstrukturen also in den Chloroplasten befindlich, sondern in den Membranen, die über fast die ganze Zelle verteilt sind. Auch enthält sie weitere Pigmente, die das Chlorophyll-Grün überlagern können und einen grün-bläulichen Farbton bedingen.
Die Spirulina-Filamente bilden Decken wie auch andere fädige Cyanobakterien. Wird infolge der Alkalisierung durch den Verbrauch von Kohlenstoffdioxid Calciumcarbonat abgeschieden, geht man davon aus, dass dann so genannte Stromatolithen entstehen. Diese sich auch schon in früheren geologischen Zeiten entstanden. Die ältesten bekannten Stromatolithen kommen in über drei Milliarden Jahre alten Gesteinsschichten vor, die im Präkambrium entstanden sind. Dies lässt Vermutungen zu, dass diese oxygen-photosynthetische, Kohlenstoffdioxid-assimilierende Mikroorganismen, also möglicherweise Cyanobakterien wie die Spirulina, dazu beigetragen haben, die kohlenstoffdioxidreiche Ur-Atmosphäre mit Sauerstoff anzureichern, ihren Kohlenstoffdioxid-Gehalt zu vermindern und so ihr die heutige Zusammensetzung verliehen haben.
Für das Wachstum von einem Kilogramm Spirulina-Biomasse wird 1,5 Kilogramm Kohlenstoffdioxid verbraucht und nebenbei ein Kilogramm Sauerstoff (O2) produziert. Dies wirkt sich positiv auf das Klima aus und produziert gleichzeitig hochwertige und nährstoffreiche Nahrung.
Vorkommen in der Natur

Die Spirulina kommt in stark alkalischen Salzseen (pH-Wert zwischen 9 und 11) vor und sie besiedelt flache, subtropische bis tropische Gewässer mit hohem Salzgehalt. Ihr Hauptverbreitungsgebiet sind Mittelamerika, Südostasien, Afrika und Australien. Sie wurde schon seit alters her als Nahrung genutzt von den in diesen Regionen lebenden Menschen, wie den Azteken am mexikanischen Texcoco-See.
Verwendung der Spirulina-Alge
Die Spirulina wird vor allen Dingen in Tablettenform als Nahrungsergänzungsmittel verwendet. Jährlich werden hierfür etwa 3000 Tonnen Rohmasse Spirulina platensis aus kommerziellem Anbau weiterverarbeitet. Die Spirulina ist in Deutschland wie auch die Süßwasseralge Chlorella in Form von Pulver oder Tabletten als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich und wird in Onlineshops und in Biolebensmittelläden als nährstoffreiche Zutat in Nudeln, Fruchtriegeln und Getränkepulvern veräußert.
Die Züchtung der Spirulina erfolgt in Aquakulturen bei einer Wassertemperatur von bis zu 35 Grad Celsius. Bei der Ernte pumpt man das Wasser mit den Mikroorganismen durch einen Filter und zusätzlich durch eine Zentrifuge und trocknet den so gewonnenen biologischen Schlick anschließend mit Heißluft. Die Spirulina gibt es auch unter der Bezeichnung „Mikroalgen“ im Handel. Ein Problem stellt allerdings die Kontamination mit Microcystinen dar. Dies passiert durch teilweise toxische Algen, wenn das Bakterium nicht in separaten, abgeschlossenen Becken kultiviert wird, sondern aus offenen Seen geerntet wird, wie dies zum Teil in Afrika und Mittelamerika der Fall ist.
Die getrockneten grünen Präparate zeigen folgende Zusammensetzung, die jedoch nach ihrer Herkunft leicht variieren kann: (igv-gmbg)
- - Proteine 55–67%
- - Kohlenhydrate 10–19%
- - Fette 7–15%
- - Mineralstoffe 5–9%
In den Proteinen der Spirulina sind alle essentiellen Aminosäuren enthalten. Weiterhin ist sie reich an β-Karotin, eine Vorstufe des Vitamin A sowie an B-Vitaminen und Vitamin E. Auch enthält sie eine hohe Konzentration an Calcium, Eisen und Magnesium.
Besonderes Augenmerk bei der Spirulina als Nahrungsergänzungsmittel wird auf den hohen Eiweißgehalt und den Vitamin B12-Gehalt gelegt. Dennoch ist die Eiweiß-Dosis, die über Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen werden 2–3,5 g), so gering, dass sich die ergänzende Eiweißzufuhr in der Regel kaum bemerkbar macht. Des Weiteren enthält die Spirulina nur eine unwirksame Form des Vitamins B12 ("Pseudovitamin B12"), sodass die Aufnahme den Stoffwechsel des physiologischen Vitamin B12 blockieren könnte. Positiv zu erwähne ist jedoch, dass durch den Kulturanbau und die verschiedenen Herstellerkontrollen die unterschiedlichen Spirulina-Produkte frei von Toxinen sind.
Auch senkt die Anwendung von Spirulina-Präparaten möglicherweise die Cholesterin-Konzentration im Blut. In den durchgeführten Studien trat jedoch nur ein geringer Effekt zu Tage und die jeweilige Anzahl der Probanden bei den einzelnen Studien war so gering, dass erst weitere Studien zeigen müssen, ob die Spirulina tatsächlich als cholesterinsenkend einsetzbar ist und die mit der Anwendung einhergehenden möglichen Nebenwirkungen wie allerdings unwahrscheinliche allergische Reaktionen vertretbar sind.





